Die Crystal-Methodenfamilie
Was ist Crystal?
Crystal stellt keine einzelne agile Methode dar, sondern eine Methodenfamilie. Eine Grundidee Alistair Cockburns – des Erfinders von Crystal – besteht darin, dass kein Projekt dem anderen gleicht, dass jedes Projekt in einer speziellen Situation angesiedelt ist, und dass jedes Team besonders ist. Deshalb kann es auch keine Methode geben kann, die generell für jedes Projekt gleich gut geeignet ist. Vielmehr muss vor Projektbeginn die „beste“ Methode erst zusammengestellt und während des Projektes angepasst werden. Um die Nötige Flexibilität zu gewährleisten, macht Crystal nur sehr wenige allgemeine Vorgaben, bietet aber dafür eine ganze Reihe von Einzelbausteinen, die individuell ausgewählt und zusammengesetzt werden können.
Kategorisierung nach Projekteigenschaften
Projekte lassen sich grob nach zwei Dimensionen kategorisieren: der Anzahl der Personen und der Größe des Risikos, das mit dem Projekt verbunden ist. Sehr große Teams erfordern andere Methoden als Teams mit nur wenigen Mitgliedern; und lebenskritische Software (etwa zur Steuerung medizinischer Geräte) muss nach anderen Kriterien entwickelt werden als ein Bibliothekssystem.
Cockburn unterscheidet vier verschiedene Risikostufen und sieben Projektgrößen. Den Projektgrößen ordnet er unterschiedliche Farben zu, nach denen er dann einzelne Methoden aus der Crystal-Familie benennt: Crystal Clear, Crystal Yellow, Crystal Orange usw.)
Die Prinzipien von Crystal
Obwohl die verschiedenen Mitglieder aus der Crystal-Familie sich im Einzelnen recht stark voneinander unterscheiden können, weisen sie alle sieben grundlegende Eigenschaften auf – Cockburn spricht vom „genetischen Code der Crystal-Familie“:
- Häufige
Auslieferung (mindestens zweimal im halben Jahr)
- Verbesserung durch Reflektion (regelmäßige Abstimmungstreffen)
- Enge Kommunikation (sowohl zum Kunden als auch innerhalb des Teams)
- Persönliche Sicherheit (ist es beispielsweise problemlos möglich, seinem Chef Fehler und unangenehme Wahrheiten mitzuteilen?)
- Fokus (die Prioritäten sind bekannt, und Ihnen werden genügend Ressourcen gewidmet.)
- Leichter Zugriff auf (Experten-) Anwender
- Technische Umgebung mit automatisierten Tests, Konfigurationsmanagement und häufiger Integration
Die Vorteile auf einen Blick
- individuelle Zusammenstellung einer eigenen Methode
- auch für sehr große Projekte geeignet
- auch Festpreisprojekte werden ausdrücklich berücksichtigt
- auf die Akzeptanz der neuen Software wird großer Wert gelegt
- nicht so strikt wie eXtreme Programming, daher guter Einstieg
- individuelle Unterschiede der Teammitglieder werden berücksichtigt







