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18/12/2009
Kategorie:
  • SCRUM, it-agile

—Arne Roock

„Papa war letzte Woche auf einer Scrum-Schulung und ist jetzt frisch gebackener ScrumMaster. Deswegen wollte er dieses Jahr Oma, Mama, Sophie und mich beim Plätzchenbacken organisieren. Und so sah das dann aus: Wie jedes Jahr hat Oma ihre Lieben (so nennt sie uns) gebeten, dass wir für Ihre Freunde und Bekannten aus dem Altersheim, ihre Kegelrunde und den Seniorenkreis Plätzchen backen. Früher hat Oma das natürlich selbst gemacht, aber jetzt hat sie Arthritis in den Händen und kann auch nicht mehr so gut gucken. Oma hat genaue Vorstellungen, für wen welche Plätzchen zu welchem Termin gemacht werden sollen. Das fand Papa gut und hat gesagt, dass jetzt die „Product Oma“ feststeht. Omas Liste mit den zu backenden Plätzchen nannte Papa Back-Log, wofür auch immer das „Log“ steht. Auf der Liste von Oma gab es runde Plätzchen für die Kegelrunde, mit Schokolade überzogene Weihnachtsbäume für den Seniorenkreis und mit Fruchtzucker gebackene Kekse in unterschiedlichen Formen für das Altersheim. Als wir dann mal Zeit hatten und alle in der Küche waren, durften wir nicht gleich anfangen wie sonst, sondern mussten uns erst mal hinsetzen. Mama dachte, dass es so besinnlicher wäre, aber Papa meinte, das wäre das Sprint Planning. Am Adventskranz brannte eine Kerze, und Papa fand das super, weil das dann Sprint 1 wäre oder so. Oma hat dann noch mal erzählt, was sie an Plätzchen bräuchte und wie nett von uns das doch wäre, dass wir das für sie gebacken bekommen würden. Papa hat dann gefragt, was jetzt am wichtigsten wäre, und Oma meinte, dass zuerst die Kegelrunde eine Weihnachtsfeier macht, dann der Seniorenkreis und das Altersheim kurz vor Weihnachten zum Schluss. Mama hat dann noch angemerkt, dass die schokoladeüberzogenen Weihnachtsbäume wohl trotzdem als erstes drankommen sollten, weil die ja noch nach dem Backen und Abkühlen mit Schokolade überzogen werden müssten. Das wollte Papa aber nicht gelten lassen und meinte, dass wir uns trotzdem erst einmal ausschließlich auf die runden Plätzchen für die Kegelrunde konzentrieren sollten. Denn mit dem Backen alleine war es auch für die Kegel-Plätzchen nicht getan. Hier sollten hinterher immer jeweils 9 Plätzchen in eine Tüte verpackt werden. Mama hat die Augen verdreht aber Papa machen lassen. Jetzt ging es also los mit dem Backen. Papa hat darauf bestanden, dass Mama sich von Oma das Rezept erzählen lässt und notiert, damit wir auch zurechtkommen, wenn Oma gerade ihr Nickerchen macht (da hatte er auch einen schlauen Begriff, „Back-Faktor“ oder so). Sophie suchte die runden Ausstechformen, und ich stellte fest, dass bei uns Mehlbox Zero war. Nichts mehr da, kein Mehl. Ich dachte, dass das ein ziemliches Problem sein könnte und teilte es sogleich Papa mit. Der hielt es aber nur für ein Impediment und lief zu den Nachbarn rüber, um sich Mehl zu borgen. Schnell war er ziemlich stolz mit dem Mehl zurück und meinte, dass das Beseitigen von Impediments ja genau der Job des ScrumMasters wäre. Ich glaube, er war bloß froh, dass er auch was beitragen konnte, wo er doch sonst nur mit Computern kann und zwei linke Hände hat (sagt Mama). Wir haben den Teig angerührt und ausgerollt. Sophie und ich haben dann runde Formen zum Ausstechen der Plätzchen benutzt, da ist Papa aufgefallen, dass die ja alle unterschiedlich groß werden, weil wir vier unterschiedliche runde Ausstechformen benutzt haben. Ich sollte dann zur Product Oma laufen und fragen, ob das OK ist so. Oma hat gesagt, dass es schon in Ordnung ist, nur die ganz kleine runde Form nicht verwendet werden sollte. Mama hat den Ofen vorgeheizt und eins ums andere Blech mit den ausgestochenen
Plätzchen reingeschoben. Dabei hatte sie zwischendrin Zeit und hat Papa angebettelt, dass man doch jetzt schon mal mit dem Teig für die Weihnachtsbäume anfangen könnte, aber Papa blieb hart. Dann passierte etwas fürchterliches: Der Ofen ging bei den letzten beiden Blechen aus und wollte auch nicht wieder angehen. Mama war entsetzt und Papa wieder stolz wie sonstwas, denn er meinte, es wäre ja nicht so schlimm, weil wir die wichtigsten, als nächstes benötigten Plätzchen zuerst gebacken haben. Mama hat immerhin einmal anerkennend geschaut und dann das Impediment mit dem kaputten Ofen Papa überlassen. Wir saßen dann noch bei Kerzenschein zusammen, aber wieder nicht für Mamas Besinnlichkeit, sondern für ein Review (da hat Oma die Plätzchen angeschaut und probiert, und wir durften auch welche haben) und eine anschließende Retrospektive. Da wollte Papa wissen, was denn gut und was nicht so gut funktioniert hatte. Vor allem Mama hatte da Ideen, z. B. dass diese Backpapierzuschnitte super wären, aber erstaunlich viel Teig nicht zu Plätzchen verarbeitet wurde, sondern in Sophies und meinem Mund verschwunden wären. Sophie und ich hatten so viel Bauchschmerzen, dass es uns nicht schwer fiel, für das nächste Mal Besserung zu geloben.
Bis zum nächsten Sprint (2. Kerze am Adventskranz) hatte Papa das Ofenproblem beheben lassen, und wir machten uns jetzt an die Weihnachtsbäume. Alles klappte wie erwartet gut, und da Sophie und ich diesmal selbst die Backbleche in den Ofen schoben, konnte Mama mit dem Teig für die Senioren-Plätzchen anfangen. Den haben wir dann gerollt und Plätzchen ausgestochen, während die Weihnachtsbäume abkühlten. Den Schokoladenüberzug haben wir dann nur noch für die Hälfte der Weih-nachtsbaumplätzchen geschafft, sollten dann aber ins Bett. Papa meinte, unsere Timebox wäre abgelaufen.
Im dritten Sprint sind wir dann aber fertig geworden – und hatten sogar noch genug Zeit, auch noch Plätzchen für uns zu backen. Hoffentlich hat Papa neben seinem Job als ScrumMaster auch noch dran gedacht, Weihnachtsgeschenke für uns zu kaufen! Sophies und meine Wunschlisten (von Papa jetzt Xmas-Backlogs genannt) sind jetzt jedenfalls priorisiert, so dass da eigentlich nichts schiefgehen sollte.“

it-agile wünscht frohes Fest und guten Rutsch!