Was ist der Scrum Guide 2017?

Anfang November 2017 haben Jeff Sutherland und Ken Schwaber eine überarbeitete Fassung des Scrum Guide veröffentlicht, die deutsche Übersetzung ist Ende November erschienen.

Was ist neu im Scrum Guide 2017?

Damit Sie schon jetzt auf dem neusten Stand sind, stellen wir Ihnen hier die Neuerungen vor.

Keine Sorge: Was Sie über Scrum wissen, wird nicht über den Haufen geworfen. Bei allen Änderungen handelt es sich um Klarstellungen und Ergänzungen.

Hier sind die neuen Aussagen im Überblick:

  • Scrum ist nicht nur für Softwareentwicklung, sondern generell für Produktentwicklung geeignet.
  • Der Scrum Master ist verantwortlich dafür, Scrum im Sinne des Scrum Guides zu vertreten.
  • Mangelndes Produktverständnis ist ein Impediment.
  • Das Daily Scrum ist ein inspect&adapt-Meeting, um den Fortschritt Richtung Sprintziel sicherzustellen.
  • Die Zeiten für Meetings sind als Maximalzeiten zu verstehen.
  • Das Sprint Backlog enthält zumindest eine Maßnahme aus der letzten Sprint-Retrospektive.
  • Das Inkrement dient der Empirie und fördert die Produktvision.

Der Rest dieser Seite beschreibt die Änderungen im Detail.

Scrum ist generell für Produktentwicklung geeignet

Die umfangreichste Neuerung im neuen Scrum Guide ist ein Kapitel über die Anwendung von Scrum. Es macht insbesondere deutlich, wie Umfangreich die Einsatzgebiete von Scrum mittlerweile sind und das die Anwendung weit über die IT hinausreicht.

Im Wortlaut:

Scrum wurde ursprünglich dazu entwickelt, um Produkte zu managen und zu entwickeln. Seit den frühen 1990er Jahren wird Scrum weltweit ausgiebig genutzt zur:

  1. Erforschung und Identifizierung rentabler Märkte, Technologien und Produktfähigkeiten;
  2. Entwicklung von Produkten und Verbesserungen;
  3. Auslieferung von Produkten und Verbesserungen, auch vielfach pro Tag;
  4. Entwicklung und Aufrechterhaltung von Cloud-Umgebungen (online, secure, on-demand) und anderer Produktivumgebungen; sowie,
  5. Erhaltung und Erneuerung von Produkten.

Scrum wird verwendet, um Software, Hardware, Embedded Software, Netzwerke von interagierenden Funktionen und autonome Fahrzeuge zu entwickeln. Scrum wird aber auch in Schulen, Regierungs- und Marketingprojekten genutzt, zur Verwaltung von Organisationen und der Entwicklung von fast allem, was wir in unserem täglichen Leben als Einzelpersonen und als Gesellschaften verwenden. Scrum bewährt sich täglich im Umgang mit Komplexität, da Technologie-, Markt- und Umweltkomplexitäten und deren Interaktionen rapide zugenommen haben. Scrum hat sich bei iterativem und inkrementellem Wissenstransfer als besonders effektiv erwiesen. Scrum wird heute häufig für Produkte, Dienstleistungen und das Management der übergeordneten Organisation verwendet. Der Kern von Scrum ist ein kleines Team von Menschen. Dieses Team ist sehr flexibel und anpassungsfähig. Diese Stärken wirken weiter zwischen mehreren und vielen Teams und sogar Netzwerken von Teams, die die Arbeit und Ergebnisse von Tausenden von Menschen entwickeln, ausliefern, betreiben und erhalten. Sie arbeiten über durchdachte Entwicklungsarchitekturen und Zielumgebungen für Auslieferungen zusammen. Wenn die Wörter "entwickeln" und "Entwicklung" im Scrum Guide verwendet werden, beziehen sie sich auf komplexe Arbeit, wie z.B. die oben beschriebenen Typen.

Klarere Beschreibung der Rolle des Scrum Masters

Die zweite Änderung bezieht sich auf auf den Scrum Master und seine Beziehung zum Scrum Guide. Es wird klargestellt, dass sein Auftrag ist, Scrum entsprechend des Scrum Guides zu fördern.

Im Wortlaut:

Der Scrum Master ist dafür verantwortlich, Scrum entsprechend des Scrum Guides zu fördern und zu unterstützen. Scrum Master tun dies, indem sie allen Beteiligten helfen, die Scrum Theorie, Praktiken, Regeln und Werte zu verstehen. Der Scrum Master ist ein „Servant Leader“ für das Scrum-Team. Der Scrum Master hilft denjenigen, die kein Teil des Scrum-Teams sind, zu verstehen, welche ihrer Interaktionen mit dem Team sich hilfreich auswirken und welche nicht. Der Scrum Master hilft dabei, die Zusammenarbeit so zu optimieren, dass der durch das Scrum-Team generierte Wert maximiert wird.

Mangelndes Produktverständnis kann ein Impediment sein

Die dritte Änderung bezieht sich auf die Unterstützung des Product Owners durch den Scrum Master. Sie macht klar, dass der Scrum Master auch helfen soll, das Verständnis für das Produkt zu fördern. Das bedeutet natürlich nicht, dass er selbst dafür sorgen muss, sondern weist nur darauf hin, dass auch mangelndes Verständnis ein Impediment sein kann. Die Ergänzung macht allerdings auch klar, dass der Scrum Master selbst über ein ausreichendes Verständnis des Produkts verfügen muss.

Im Wortlaut (ergänzt in der Aufzählung "Der Dienst des Scrum Masters für den Product Owner"):

Sicherstellen, dass Ziele, Umfang und Produktdomäne von allen im Scrum-Team so gut wie möglich verstanden werden;

Klarstellung des Zwecks des Daily Scrum

Der erste Absatz in der Beschreibung des Daily Scrum wurde ergänzt um den Zweck: Es geht darum, die Zusammenarbeit und Leistung des Teams zu optimieren!
Im Lauf des Kapitels folgen dann verschiedene weitere Änderungen, um das Ziel auch dort herauszustellen.

Im Wortlaut:

Das Daily Scrum ist eine Time Box von 15 Minuten für das Entwicklungsteam. Das Daily Scrum findet an jedem Tag des Sprints statt. Das Entwicklungsteam plant dabei die Arbeit für die nächsten 24 Stunden. Es überprüft die Arbeitsergebnisse seit dem letzten Daily Scrum und prognostiziert die im Sprint bevorstehende Arbeit, um die Zusammenarbeit und Leistung des Teams zu optimieren. Um die Komplexität zu reduzieren, wird das Daily Scrum an jedem Tag zur gleichen Uhrzeit am gleichen Ort abgehalten.

Im weiteren Verlauf heißt es dann:

Die Struktur des Ereignisses wird vom Entwicklungsteam festgelegt und kann auf unterschiedliche Weise durchgeführt werden, sofern die Erreichung des Sprint-Ziels im Fokus steht. Einige Entwicklungsteams verwenden Fragen, andere konzentrieren sich eher auf Diskussionen.
Hier ist ein Beispiel, was verwendet werden könnte:

  • Was habe ich gestern getan, das dem Entwicklungsteam geholfen hat, das Sprint-Ziel zu erreichen?
  • Was werde ich heute erledigen, um dem Entwicklungsteam beim Erreichen des Sprint-Ziels zu helfen?
  • Sehe ich irgendein Hindernis, das mich oder das Entwicklungsteam daran hindert, das Sprint-Ziel zu erreichen?

Zeitangaben beschreiben Obergrenzen

Bei den Timeboxes haben die Autoren klargestellt, dass die länge nicht voll aufgeschöpft werden muss, indem sie an allen entsprechenden stellen das Wort "maximal" ergänzt haben.

Maßnahmen aus der Retrospektive im Sprint Backlog

Um die Bedeutung kontinuierlicher Prozessverbesserung für die erfolgreiche Anwendung von Scrum zu unterstreichen, haben die Autoren klargestellt, dass Verbesserungsmaßnahmen Teil des Sprint Backlogs sind.

Im Wortlaut (über das Sprint Backlog):

Um kontinuierliche Verbesserungen zu gewährleisten, umfasst es mindestens eine wichtige Prozessverbesserung, die in der vorherigen Retrospektive identifiziert wurde.

Zweck des Inkrements klargestellt

Zum Schluss haben die Autoren noch die Bedeutung des Inkrements als Ergebnis jedes Sprints geschärft. Es unterstützt das Scrum Team dabei, ein erfolgreiches Produkt zu schaffen, indem es Empirie ermöglicht. Hier erwähnt der Scrum Guide auch erstmals den Gedanken einer Produktvision: Jedes Inkrement ist ein Schritt, der das Produkt näher zur Vision führt.

Im Wortlaut:

Ein Inkrement ist ein Gegenstand inspizierbarer, fertiger [„Done“] Arbeit, der die Empirie am Ende des Sprints unterstützt. Das Inkrement ist ein Schritt in Richtung einer Vision oder eines Ziels.

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