Was ist der Scrum Guide 2020?

Mitte November 2020 haben Jeff Sutherland und Ken Schwaber eine überarbeitete Fassung des Scrum Guide veröffentlicht. Eine Fassung auf Deutsch folgt in Kürze.

Was ist neu im Scrum Guide 2020?

Damit Sie schon jetzt auf dem neuesten Stand sind, stellen wir Ihnen hier die Neuerungen vor.

Keine Sorge: Was Sie über Scrum wissen, wird nicht über den Haufen geworfen.
Bei den Änderungen handelt es sich um Klarstellungen und Ergänzungen.
Es gibt allerdings einige Feinheiten, die eine nähere Betrachtung wert sind.

Hier sind die Neuerungen im Überblick:

  • Der Scrum Guide 2020 macht weniger Vorschriften.
  • Die Wortwahl wurde verallgemeinert, insbesondere wurden IT-Bezüge entfernt.
  • Es gibt nur noch ein Team, die Unterscheidung “Entwicklungsteam” / ”Scrum Team” entfällt.
  • Das Team ist selbst-verwaltend (“self-managing”), nicht mehr selbst-organisierend (“self-organizing”).
  • Ein Ziel für das Produkt (“Product Goal”) ist jetzt in jeder Scrum-Implementierung vorgesehen.
  • Die Beziehung der Ziele – Produktziel, Sprintziel und Definition of Done – zu den Artefakten ist klarer beschrieben.
  • In der Sprintplanung wird jetzt neben den Fragen “Was?” und “Wie?” auch die Frage nach dem “Warum?” gestellt.

Im Folgenden beschreiben wir die Änderungen im Detail.

Der Scrum Guide 2020 macht weniger Vorschriften

Im Scrum Guide 2020 machen Schwaber und Sutherland einen radikalen Schnitt und reduzieren die Beschreibung auf das nötigste: Das Framework.
Im Laufe der Jahre haben sich immer mehr Vorschriften in den Scrum Guide eingeschlichen. Viele davon waren ursprünglich als Klarstellungen oder Vorschläge gedacht, sind aber anders aufgefasst worden.

Konkret gibt es im Scrum Guide keine Vorschläge mehr, welche Fragen im Daily Scrum gestellt werden und auch der Umgang mit dem Product Backlog ist offener definiert. Das bedeutet natürlich nicht, dass man keine Fragen mehr stellt im Daily Scrum.

Die Wortwahl wurde verallgemeinert

Der neue Scrum Guide ist kurz. Lediglich 13 Seiten brauchen Schwaber und Sutherland, um die Essenz des Frameworks zu beschreiben. Dazu haben sie Doppelungen entfernt, aber auch alle Bezüge zu IT-Projekten.
Scrum, das ist seit vielen Jahren klar, kann viel mehr als nur Software.

Es gibt nur noch ein Team und das Team ist selbstverwaltend

Seit vielen Jahren hat die Unterscheidung zwischen Entwicklungsteam und Scrum-Team für Verwirrung gesorgt. Damit ist es jetzt vorbei: Das Scrum Team bleibt – es besteht im Scrum Guide 2020 aus einem Product Owner, einem Scrum Master und mehreren Entwicklern.
So soll klarer werden, dass alle gemeinsam für den Produkterfolg verantwortlich sind.

Diese Änderung am Teambegriff macht auch eine zweite Änderung in der Wortwahl notwendig: Das Team wird jetzt als selbstverwaltend (“self-managing”) bezeichnet, nicht mehr als selbstorganisierend („self-organizing“).
Damit wird klarer als bisher ausgedrückt: Das Scrum-Team plant, strukturiert und überwacht seine Arbeit, die Arbeitsprozesse und den Arbeitsfortschritt selbst im Hinblick auf ein größeres Ziel: Die Unternehmensstrategie, die von außen gesetzt wird.

Eine weitere Änderung, die dadurch nötig wird: Der Begriff der Teamgröße bezieht sich jetzt auf das Scrum-Team. Ein typisches Scrum-Team besteht aus 10 oder weniger Personen – ein Mensch weniger als im Modell mit Entwicklungsteam, das aus bis zu 9 Personen bestehen konnte.

Nach wie vor aber gilt: Das Scrum-Team soll so klein wie möglich sein, aber so groß wie nötig, um Wirkung zu entfalten.

Ein Ziel für das Produkt ist jetzt in jeder Scrum-Implementierung vorgesehen

Der Scrum Guide 2020 sagt klar, worauf es bei der Produktentwicklung ankommt: Das Produkt durch Weiterentwicklung in einen noch wertvolleren Zustand zu bringen.
Diesen Zustand nennen Schwaber und Sutherland „Produktziel“ (Product Goal), und er dient als Sinnstifter für das Product Backlog und die einzelnen Sprints. Jedes Produkt hat immer nur ein Produktziel auf einmal, ein neues gibt es erst, wenn das alte erreicht oder verworfen wurde.
Die bisherigen schwachen Bezüge auf eine Produktvision sind dafür entfallen.

Die Beziehung der Ziele zu den Artefakten ist klarer beschrieben

In vergangenen Revisionen des Scrum Guide war nicht klar, welche Natur Sprintziel und Definition of Done eigentlich haben. Sie waren etwas wie Quasi-Artefakte: Nicht greifbar genug, um damit zu arbeiten und sie im Laufe des Sprints zu verändern, nicht abstrakt genug, um den Sprint nicht zu beeinflussen.
Um damit aufzuräumen und dem neuen Produktziel (s.o.) eine Heimat zu geben, führt der Scrum Guide 2020 ein neues Element in Scrum ein: Commitments.
Jedes der drei Artefakte – Product Backlog, Sprint Backlog und Inkrement – hat ein zugeordnetes Commitment:

  • Durch die Arbeit am Product Backlog erreicht das Scrum Team das Produktziel,
  • durch das Abarbeiten des Sprint Backlog erreicht es das Sprintziel und 
  • jedes einzelne Inkrement erfüllt die Definition of Done.

So soll es, hoffen Schwaber und Sutherland, noch leichter fallen als bisher, Transparenz über den Stand und Wert der Artefakte herzustellen.

In der Sprintplanung wird jetzt nach dem Warum gefragt

Um die Bedeutung des Sprintziels klarer zu machen – viele Scrum-Teams arbeiten nach wie vor ohne –, haben Schwaber und Sutherland im Scrum Guide 2020 die Frage nach dem Warum ergänzt: „Warum ist dieser Sprint wertvoll für unsere Stakeholder?“
Diese Frage steht zuallererst, wird durch das Sprintziel beantwortet, und sollte den gesamten Sprint über nicht in Vergessenheit geraten.

Diese sieben Änderungen haben Jeff Sutherland und Ken Schwaber in ihrem Begleitdokument zum Scrum Guide 2020 hervorgehoben.
Viele weitere kleine Änderungen in Struktur und Wortwahl runden den neuen Scrum Guide ab.

 

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