Führe dich selbst

Verantwortung verstehen mit The Responsibility Process™

Mit The Responsibility Process™ beschreibt Christopher Avery basierend auf Feldforschungen (u. a. von Bill McCarley), wie Menschen auf Probleme reagieren und welche mentalen Zustände sie auf dem Weg zu Verantwortung durchlaufen.

Es gibt dabei erst einmal kein falsch oder richtig, denn der Prozess ist in jedem Menschen eingebaut. Um Probleme zu lösen, ist es allerdings hilfreich, wenn wir Zugang zu unserer Kreativität, Freiheit und Stärke haben, die uns vorwiegend im mentalen Zustand Verantwortung zur Verfügung stehen.

Was ist ein Problem?

Der Responsibility Process wird ausgelöst, wenn wir ein Problem haben. Wir spüren Probleme, indem wir ängstlich werden oder uns ärgern. Nüchtern betrachtet ist ein Problem etwas, das uns im Weg steht, um zu bekommen, was wir haben wollen. Wenn ich nicht habe, was ich will oder wenn ich etwas habe, das ich nicht haben will, habe ich ein Problem.

 

Die mentalen Zustände

Beschuldigen

Unser erster Gedanke beim Auftreten eines Problems ist: Wer hat mir das angetan? Unser Gehirn ist so clever, dass es uns einen Schuldigen liefert: Das sind gern Menschen, die gerade neben uns stehen, uns nahe sind oder die wir nicht mögen. Wir fühlen uns als Opfer und sind uns sicher, dass eine andere Person uns das angetan hat. Deshalb glauben wir auch, dass wir das Problem nicht lösen können, sondern die andere Person dies tun müsste.

Rechtfertigen

Wenn uns klar wird, dass es nicht ein Einzelner war, der uns das angetan hat, dann rechtfertigen wir die Situation mit einem Geflecht an nicht beeinflussbaren Umständen und einer speziellen Situation: Das Wetter, der Verkehr, zu wenig Zeit. Statt einer Person sind es jetzt die Umstände, denen wir zum Opfer gefallen sind. Und wieder sehen wir nicht, wie wir das Problem lösen sollten, weil es ja an den Umständen liegt, die sich ändern müssten.

Schämen

Wenn uns klar wird, dass wir die Umstände wohl mitverursacht haben, oder von ihnen hätten wissen können oder sogar müssen, dann beginnen wir uns zu schämen. Zuweilen fühlt sich Schämen auch wie Schuld an. Wir glauben jetzt, dass wir uns das Problem selbst eingebrockt haben, weil wir unfähig/unzulänglich/blöd sind. Das ist ja keine ganz schlechte Erkenntnis, legt sie doch nahe, dass wir etwas ändern könnten, wir sind schließlich Opfer und Täter gleichzeitig. Allerdings fühlt sich Schämen so schlecht an, dass wir voll und ganz damit beschäftigt sind, uns selbst fertig zu machen und aus diesem mentalen Zustand heraus das Problem nicht lösen können.

Verpflichtung

Wenn wir irgendwann fertig sind mit dem Schämen, überlegen wir, was zu tun ist. Wir stellen uns die Frage, was ein vernünftiger Mensch tun würde, um das Problem zu lösen. Und dann tun wir das halt, obwohl wir dazu keine Lust haben (und manchmal prokrastinieren wir auch noch eine Weile, bevor wir es tun). Verpflichtung erkennt man gut daran, dass wir davon sprechen (und denken), dass wir etwas tun oder haben müssen, obwohl wir es eigentlich nicht wollen. Wir glauben aber ganz fest, dass es hier und unter diesen Umständen nicht anders geht. Leider.

Verantwortung

Erst im mentalen Zustand Verantwortung stehen uns unsere Freiheit, Stärke und Optionen offen, mit denen wir kreativ an das Problem gehen können. Zudem wird uns bewusst, dass wir das Problem in Besitz nehmen können mit allen angenehmen und unangenehmen Konsequenzen, die das haben wird. Wir fühlen uns größer als das Problem. Vielleicht machen wir gar nicht direkt etwas anders als aus Verpflichtung, aber mit einer viel positiveren Haltung und eben aus freien Stücken und nicht, weil wir müssen.

The Responsibility Process

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Die drei Schlüssel zu Verantwortung

Manchmal stecken wir in einem der obigen mentalen Zustände fest. Außer bei Verantwortung führt es dazu, dass wir unzufrieden sind und unsere Probleme nicht lösen. Die drei Schlüssel können uns helfen, damit wir schneller oder überhaupt zum mentalen Zustand der Verantwortung gelangen.

Absicht

Wir können unsere Gedanken positiv in eine Richtung lenken, wenn wir uns eine klare Absicht setzen. Wenn wir also mehr aus dem mentalen Zustand der Verantwortung handeln wollen, sollten wir uns diese Absicht erklären. Auch in Bezug auf konkrete Probleme ist es sehr hilfreich, wenn wir uns klar machen, was wir bzgl. dieses Problems bzw. des Bereichs, in dem das Problem auftritt, eigentlich wollen (außer, dass das Problem verschwindet). 

Aufmerksamkeit

Wenn wir eine starke Absicht erklären, lenken wir automatisch auch unsere Aufmerksamkeit auf diese Absicht. Mit gesteigerter Aufmerksamkeit können wir uns aber auch immer besser in mentalen Zuständen „erwischen“, in denen wir gar nicht sein wollen.

Sich stellen

Wenn wir nun eine Absicht haben, über unsere Aufmerksamkeit bemerken, dass wir nicht haben, was wir wollen, dann sollten wir uns der Situation stellen. Das kann bedeuten, dass wir uns eine unangenehme Wahrheit eingestehen oder etwas (vermeintlich) peinliches ansprechen oder auch das Problem hinter dem Problem entdecken, indem wir andere Perspektiven einnehmen. Oft trifft man dabei auf Glaubenssätze, die den Blick einschränken.

Führe dich selbst zuerst

Wir können die mentalen Zustände bei anderen sehr leicht erkennen. Die Kunst ist es, dass wir sie bei uns selbst erkennen, damit wir bewusst entscheiden können, ob wir in einem mentalen Zustand verweilen oder uns in Richtung Verantwortung weiterentwickeln wollen.

Achten wir also zuerst einmal bei uns darauf, in welchem mentalen Zustand wir stecken bzgl. verschiedenerer Probleme (oder wenn wir uns aufregen oder ängstlich werden). Die Haltungs- und Verhaltensänderung, die sich ergibt, wenn wir selbst aus Stärke und mit Klarheit agieren (siehe Power Cycle), wird Einfluss auf die Menschen in unserem Umfeld haben.

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