1. Welche Vorteile bietet Scrum?

Scrum setzt auf selbstorganisierte Teams. Diese treffen bessere Entscheidungen und arbeiten effektiver als klassische, fremdgesteuerte Teams.

Ein wichtiges Instrument für die Arbeit der selbstgesteuerten Scrum-Teams ist die Transparenz über den Entwicklungsfortschritt. So wird das Team kontinuierlich zur Reflektion und Verbesserung angeregt. Über die Daily-Scrums, die Arbeit mit Hindernislisten sowie die regelmäßigen Retrospektiven ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) in Scrum eingebaut.

2. Was genau sind die Aufgaben des ScrumMasters?

Der ScrumMaster sorgt dafür, dass das Team möglichst effektiv arbeiten kann. Dazu sorgt er für einen reibungslosen Ablauf des Scrum-Prozesses, hilft dem Team bei seiner gruppendynamischen Entwicklung und unterstützt es bei der Beseitigung von Hindernissen. Der ScrumMaster hat eine Führungsrolle ohne Weisungsbefugnis inne. Damit folgt der dem modernen Führungsansatz des "Führen durch Dienen" (Servant Leadership).

In diesem Sinne spiegelt er dem Team immer wieder dessen Verhalten vor und regt zur Reflektion über das eigene Verhalten an.

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3. Was genau sind die Aufgaben des Product-Owners?

Der Product-Owner ist für den wirtschaftlichen Erfolg des Projektes verantwortlich. Dafür sorgt er für die Definition der fachlichen Anforderungen, sowie die "Abnahme" der entwickelten Funktionalität. Er bindet alle notwendigen Stakeholder so ein, dass ihre Anforderungen angemessen berücksichtigt werden und sie über den Projektfortschritt informiert sind.

Bei der Definition der Anforderungen arbeitet der Product-Owner in der Regel eng mit dem Entwicklungsteam zusammen.

4. Wozu brauche ich eine Zertifizierung zum ScrumMaster oder Product-Owner?

Eine Zertifizierung belegt, dass man eine bestimmte Ausbildung erhalten hat. Das Wissen kann man sich auch anders aneignen, z.B. in Schulungen ohne Zertifizierung oder durch Bücher, Coaching etc.

5. Was wird aus dem Projektleiter, wenn wir Scrum einführen?

Das lässt sich so pauschal nicht beantworten, weil es da verschiedene Wege und Lösungen gibt. Häufig eignen sich Projektleiter für die Rolle des Product-Owner und üben damit in gewisser Weise ihren bisherigen Job weiterhin aus, nur eben auf ausschließlich an fachlicher Planung des Systems orientierte Weise. Manchmal kann es auch sein, dass der bisherige Projektleiter die ScrumMaster-Rolle übernimmt und dem Team hilft, sich selbst zu organisieren, den Prozess durchzuführen und Probleme aus dem Weg zu räumen. Es besteht dann aber immer die Gefahr, dass die Selbststeuerung/Selbstorganisation des Teams nicht so richtig in Gang kommt, weil der Projektleiter in seine alte Rolle zurückfällt und Entscheidungen trifft, statt eine Entscheidungsfindung im Team zu moderieren. Es kann aber auch den Fall geben, in dem das Team so groß (oder die Organisation so komplex) ist, dass es weiterhin eines Projektleiters bedarf, der eine Außenschnittstelle des Teams neben dem Product Owner darstellt und für die Rahmenbedingungen des Teams sorgt, Ihnen aber nicht reinredet.

6. Funktioniert Scrum auch für Festpreisprojekte?

Ja, Scrum kann auch in Festpreiskonstellationen eingesetzt werden. Allerdings schöpft man dann nicht das ganze Potential von Scrum aus. Zudem muss man mehr Vorausplanung betreiben mit all den damit verbundenen Unsicherheiten. Man bekommt dafür aber eine realistische Fortschrittsmessung auch in seinem Festpreisprojekt und kann somit früh erkennen (und reagieren), wenn das Projekt aus dem Ruder läuft. Wenn es unbedingt ein Festpreis sein soll, dann ist es zumindest eine gute Idee, wenn man diese so organisiert, dass einzelne noch nicht erledigte Anforderungen als Tauschmasse zur Verfügung stehen, wenn Product Owner/Kunde/Anwender während des Projektes entdecken, dass sie wichtige Anforderungen vergessen haben (was ja genau einer der Nachteile von Festpreiskonstellationen ist, dass dies fast immer passiert).

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7. Welche Voraussetzungen braucht eine Organisation, damit Scrum funktioniert?

Zunächst sind möglichst stabile Entwicklungsteams für Scrum sehr wichtig, es sollten nicht ständig Entwickler neu hinzukommen oder abgezogen werden. Dazu gehört auch, dass Entwickler nach Möglichkeit nur einem Team zugeordnet sind, in Ausnahmefällen auch einmal zwei Teams, aber nicht mehr. Zusätzlich ist die Rolle des Product Owners als fachlichem Entscheider für das Projekt so zu besetzen, dass der Product Owner schnell entscheidungen fällen kann ohne aufwändige Abstimmungsprozesse herbeiführen zu müssen.

Neben diesen konkreten Hinweisen ist sicherlich eine generelle Offenheit für Neues wünschenswert: Mit der Einführung von Scrum sind notwendige Veränderungen verbunden.

8. Wie führt man Scrum am Besten ein?

Scrum sollte zunächst in einem Pilotprojekt verwendet werden. So wird sehr schnell klar, welche Vorteile Scrum liefern kann - aber auch, welche Hindernisse auftreten und wo Reibungspunkte mit der existierenden Organisation bestehen. Nach dem Pilotprojekt steht die Organisation vor der Frage, wie weiter mit Scrum verfahren werden soll. War das Pilot-Projekt erfolgreich, wird Scrum schrittweise auf weitere Projekte ausgedehnt. Dazu werden i.d.R. die Mitglieder des Pilotprojektes als Multiplikatoren verwendet.

9. Was ist der nächste Schritt, wenn ich Scrum eingeführt habe?

Wenn Scrum in ein Projekt eingeführt wurde, bedeutet das meistens, dass zunächst die Scrum-Techniken und -Meetings etabliert sind. Damit ist das Denken in kontinuierlicher Verbesserung noch nicht etabliert. Dieses Denken herzustellen und so das Beste aus den Retrospektiven herauszuholen, ist der nächste Schritt.

Wenn Scrum in den Entwicklungsprojekten erfolgreich läuft, sollte die angrenzende Organisation betrachtet werden. Gibt es vor- oder nachgelagerte Prozesse, die in das Scrum-Projekt integriert oder auch nach Scrum organisiert werden sollten?

Technisch muss eine so genannte flache Aufwandskurve sicher gestellt werden, damit Scrum langfristig erfolgreich ist: Die Kosten für neue Anforderungen dürfen nicht explodieren. Dazu werden häufig testgetriebene Entwicklung und Refactoring eingeführt sowie Continuous Integration und Pair-Programming.

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10. Verträgt sich Scrum mit dem V-Modell?

Scrum und dem V-Modell liegen ganz unterschiedliche Ansätze zu Grunde, die zu sehr unterschiedlichen Ausprägungen der beiden methodischen Ansätze geführt haben. Dennoch lassen sich V-Modell XT und Scrum kombinieren, und so sind z.B. Festpreisverträge mit Scrum durchaus möglich. Darüber hinaus muss bei der Integration von V-Modell XT und Scrum die Frage beantwortet werden, wie mit den vom V-Modell geforderten Produkten umgegangen werden soll. Hier ist die Arbeit mit ausufernden Dokumenten mit Scrum weniger gut verträglich. Es ist jedoch möglich, die geforderten Produkte inkrementell und leichtgewichtig zu erstellen und so Scrums Flexibilität zu erhalten. Mehr Informationen zu dem Themenbereich liefert das it-agile-Seminar: V-Modell agil

11. Wann sind andere Methoden besser geeignet als Scrum?

Scrum ist primär ein Managementrahmen für agiles Vorgehen. Insofern sind ggf. Anteile weiterer Methoden hilfreich, z.B. testgetriebene Entwicklung aus eXtreme Programming. Wenn die mit Scrum einhergehende Flexibilität unerwünscht sein sollte oder die Voraussetzungen für Scrum nicht stimmen, könnten andere Methoden besser geeignet sein, z.B. Feature Driven Development. Allerdings muss man sich dann immer auch fragen, ob man nicht wichtige organisatorische Veränderungen einfach nur vermeidet, statt sie anzugehen.

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