Klarheit bei der Organisation, E-Mail-Regeln und Nein-sagen-Können – wertvolle Praxistipps in diesem Artikel

Team Mitglieder diskutieren lebhaft vor einem Board.

Mit Fokus mehr Zeit für Innovationen schaffen

7 Tipps, wie Unternehmen mehr Zeit für Innovationen finden 

Der Druck der Konkurrenz wächst und der Entschluss steht fest. Um sich im Markt langfristig zu behaupten, soll und muss das Unternehmen innovativer werden.  
Innovationsmodelle und -techniken wie Lean Startup, Design Thinking, Design Sprints etc. gibt es viele. Das Problem dabei ist nicht die einmalige Umsetzung, sondern eher, wie man als Team und als gesamtes Unternehmen stetig „am Ball“ bleiben kann.  

Es fehlt oft schlicht die Zeit, weil wir mit dem operativen Geschäft mehr als genug zu tun haben. 

Wie können wir uns also Zeit verschaffen, um dauerhaft an Innovation zu arbeiten und Innovation fest in die Unternehmensprozesse zu verankern? 

In diesem Artikel geben wir sieben Tipps, wie Du dir durch mehr Fokus mehr Zeit für Innovation verschaffen kannst.  

Meta-Tipp:

Für den Zinseszins-Effekt dranbleiben

Bleib mit allen Maßnahmen – sei es die unten stehenden oder Ihre eigenen –am Ball. 

Wenn Du in einer Sache jeden Tag 1% besser wirst, bist Du am Ende eines Jahres um den Faktor 38x besser. Damit dieser Zinseszins-Effekt zum Tragen kommt, lass Deine Maßnahmen nicht unreflektiert ausfaden, sondern lass sie zu Gewohnheiten werden wie das Zähneputzen.

Nimm Dir nicht alles gleichzeitig vor, sondern fokussiere Dich darauf, bessere Gewohnheiten zu entwickeln.

Ok anschnallen, es geht los ...  

Tipp Nr. 1:

Sorge für Klarheit über Deine Mission 

Eine geteilte Klarheit über eine gemeinsame Marschroute fokussiert alle sich darunter versammelnden Backlogs. Diese gewünschte Folge der Klarheit wird Alignment genannt. 

How-to: Stelle Alignment her 

Frage einmal in Deinem Unternehmen, wie die Produktvision lautet, an deren Realisierung Ihr gerade arbeitet.  

Du ahnst nicht, wie verschieden die Antworten ausfallen können. Mit der gemeinsamen Marschroute ist aber keine Feature-Liste gemeint. Es ist vielmehr der dahinterliegende Zweck, mit dem man die Zielgruppe nicht nur erreicht, sondern begeistert.  

Was eine Produktvision ist und wie diese formulieren kannst Du hier lesen. 

Wenn man System-Theoretiker:innen fragt, so ist eine Produktvision (oder ein Nordstern, wenn es um die Prozessoptimierung geht), einer der größten Hebel, den Du tätigen kannst, um Fokus herzustellen! (vgl. „System Thinking. A primer“, D. Meadows) 

 

How-to: Fördere Eigeninitiative mit der 3K-Regel 

Delegieren verschafft Zeit, weil es Aufgaben dezentralisiert. Um erfolgreich delegieren zu können, sorge für Klarheit,  Kompetenz und übertrage Kontrolle (3K-Regel).

Kompetenz: Die andere Seite muss sich kompetent genug fühlen, die Aufgabe übernehmen zu können. Bilde sie also darin aus. 

Klarheit: Die andere Seite muss den hinter der Aufgabe liegenden Zweck verstehen, damit sie in Eurer beiden Sinne ausgeführt wird. 

Kontrolle: Die andere Seite muss die technischen Berechtigungen erhalten, um die Aufgabe eigenständig ausüben zu können. 

Wenn Du der Meinung bist, dass in Deinem Unternehmen trotz der 3Ks zu wenig Eigeninitiative besteht, ist es wichtig zu verstehen, dass Eigeninitiative durch Nachahmung inspiriert wird. 

Zeige, dass Du selbst Verantwortung übernimmst und inspiriere andere, es Dir gleich zu tun. Dies bringst Du mit Deiner Sprache zum Ausdruck. Vermeide abstrakte Äußerungen wie „man sollte“ und sprich stattdessen in Absichten und Ich-Botschaften: „Ich beabsichtige, ... zu tun.“ (vgl. „Reiß das Ruder rum!“, D. Marquet) 

Tipp Nr.2:

Lerne, Nein zu sagen 

Es erscheint fast zu banal, aber mehr Fokus für wichtige Projekte erreichen wir am effektivsten durch Neinsagen. Steve Jobs stellte bereits fest: „Focusing is about saying ‘no’!“ 

Damit wir für innovative Projekte, unser volles Commitment zeigen können, müssen wir zu anderen „Nein“ sagen können. Egal wie verlockend vielleicht beides gerade wäre. Innovation wird sonst im Tagesgeschäft untergehen.   

Nein heißt dabei nicht pauschal „niemals”. Es kann sich um ein „nein, nicht jetzt” oder „nein, erst wenn” handeln.  

Werde Dir darüber klar, was Du genau mit dem Nein erreichen möchtest und formuliere es dann genau so: „Nein, wir können das jetzt nicht tun, aber sobald Situation X eintritt, werden wir das neu priorisieren.“ 

 

How-to: Neinsagen über gemeinsame Policy 

Neinsagen fällt deutlich leichter, wenn man auf gemeinsame Vereinbarungen verweisen kann. Formuliere daher Regeln, die klar machen, wann eine Aufgabe angenommen und abgelehnt werden darf. Hierzu kannst Du mit Kriterienkatalogen arbeiten: 

  • Definition of Ready (DoR) beinhaltet alle Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit eine Aufgabe ans Team übergeben werden kann.
  • Definition of Done (DoD) legt die Kriterien fest, die erfüllt sein müssen, damit eine Anforderung als vollständig umgesetzt gilt. Eine DoD ist das Neinsagen gegenüber schnellen Lösungen, die späteren Mehraufwand bedeuten. Sie fokussiert also auf Qualität. 

Caveat: DoR und DoD sollten diskutabel bleiben. Eine kleine DoR kann auch Ausdruck von Teamreife sein im Sinne der Selbstorganisation. 

 

How-to: Entscheide über ein Nein gemeinsam 

Wenn es um die Schätzung von Aufwand geht, werden in der Regel „Wissensträger:innen” einzeln befragt. Denn warum sollte man das gesamte Team mit etwas behelligen, was eine Person erledigen kann? Das Problem ist aber, dass Aufgaben dann zu leichtfertig angenommen oder zu optimistisch geschätzt werden. Einfacher fällt es, wenn das gesamte Team gemeinsam schätzt. 

Eine Möglichkeit dafür ist „Planning Poker”. Mithilfe einer Punkteskala werden die Anforderungen durch eine Gruppe geschätzt. Durch das Gespräch entsteht ein gemeinsamer Blick auf die Anforderung und führt oft zu leichtgewichtigeren Lösungen mit weniger Aufwand.  

A „no“ uttered from deepest conviction is better and greater than a „yes“ merely uttered to please, or what is worse, to avoid trouble.

Mahatma Gandhi 

Tipp Nr. 3:

Manage Deine Eingangskanäle 

Kennst Du das? Du hast den Eindruck, auf der Stelle zu treten. Das Backlog wird einfach nicht kleiner und die Taskboard-Zettel an der Wand folgen den Jahreszeiten, bis sie unbearbeitet von selbst von der Wand fallen. 

Dies passiert, wenn der größte Anteil unserer Arbeit und Aufmerksamkeit nicht allein das Backlog speist. E-Mails, „Kannst Du mal”-Aufgaben (KDMs) und weitere Tools wie Slack, MS-Teams, Confluence, Jira etc. lenken uns ab und fungieren sozusagen als parallele Backlogs

Jede:r einzelne priorisierte zwar lokal die wichtigsten Aufgaben, aber diese sind auf globaler Ebene nicht notwendigerweise die wichtigsten.  

 

How-to: Löse parallele Backlogs auf 

Halte nach diesen individuell priorisierten Backlogs Ausschau, mach sie transparent, triff Team-Vereinbarungen, teile Deine Kalender und individuellen Backlogs, priorisiere die Aufgaben gemeinsam und kanalisiere die aufwendigen Aufgaben in möglichst nur einem einzigen Backlog. Deine Vision sollte sein: „Es darf nur eines geben”

 

How-to: Priorisiere Aufgaben nach Geschäftswert 

Du hast erfolgreiche Vertriebler:innen, die den Kund:innen Services verkaufen, die das Team aber nicht liefern kann – oder nur verspätet liefert? Glückwunsch, Dein Markt funktioniert, denn die Nachfrage ist größer als Du Lösungen anbieten kannst.  

Das Problem dabei ist leider: Der Vertrieb fühlt sich hingehalten, und das Entwicklerteam vor den Karren gespannt.  

Lass den Vertrieb die Leads nach Geschäftswert bewerten und gegeneinander priorisieren. Eignen tut sich hierzu das Format „Buy a feature“:  

  1. Mache eine Liste der in Konkurrenz zueinander stehenden Features oder Services und weis jedem einen Preis zu 
  2. Gib den Teilnehmern ein Budget und schicke sie einkaufen. Die Services dürfen in den Gesprächen geschnitten und verändert werden.
  3. Beobachte und lerne, wie die Teilnehmer diskutieren, verhandeln und kaufen. 
  4. Teile die Inhalte der Warenkörbe der Teilnehmern und lass sie sich gegenseitig ihre Entscheidungen erklären. 

Dieses Vorgehen priorisiert, fokussiert und beschert Ihnen bessere Auslieferungsprognosen.  

 

How-to: „Verleihe“ Kollegen:innen nur tageweise 

Wenn Mitarbeiter:innen in verschiedenen Teams und Abteilungen gleichzeitig arbeiten, ist die Gefahr groß, dass sie zu wenig Zeit am Stück haben; mit dem Effekt, dass vieles angefangen ist, aber nichts fertig wird. 

Die eindeutige Empfehlung lautet hier, diese Mitarbeiter:innen nicht prozentweise zu „verleihen”, sondern nur ganze Tage abzumachen. 

Tipp Nr. 4:

Vermeide KDM-Aufgaben 

KDM steht für „Kannst du mal“-Aufgaben, also kleinere oder größere Gefälligkeiten, die sich angeblich mit einer Mail oder einem Anruf erledigen lassen. Gefälligkeiten werden aber leider dann zum Problem, wenn es zu viele werden oder sie sich als weit aufwendiger entpuppen als angenommen. 
Wer rausgerissen wird, braucht auch wieder Zeit, um reinzukommen. Das vergessen die „Störenfriede“ leider oft - Stichwort „Rüstzeiten“. 

Wir wissen ja auch nicht, wie häufig die/der Kollege:in außer von uns noch durch andere bereits „gestört“ wurde. Hier daher 2 Tipps zu KDMs. 

 

How-to: Entlarve KDMs mit Strichlisten 

Lass die Teammitglieder eine Strichliste führen, wie häufig KDMs stattfinden. Triff Vereinbarungen: Unter 5 KDMs/Tag sind ok, ab 8 KDMs/Tag sollten sie über Maßnahmen sprechen. 

 

How-to: Übertrage mehr Verantwortung 

KDMs treten immer dann auf, wenn jemand eine Aufgabe selbst entweder nicht übernehmen kann oder darf. Daher kann eine weiterführende Lösung sein, Zuständigkeiten auszuweiten. Und zwar mit allem was dazu gehört: Berechtigungen erteilen und Verantwortung übergeben. 

Die Übertragung von Verantwortung ist Ausdruck von Vertrauen. Erhöhtes Vertrauen führt zu weniger Abhängigkeiten und weniger Übergabe, Rüst- und Wartezeiten. Also gehen die Kosten runter und die Durchlaufzeiten werden kürzer. (vgl. „The Speed of Trust“, S. M. Covey) 

Eine einfache Formel hilft, zu entscheiden, ob bzw. ab wann mehr Verantwortung übertragen werden sollten: 

Brauchst du's häufig, tu es selbst (1), 

brauchst du's selten, du bestellst (2). 

(1): Übertrage Kontrolle und Verantwortung, indem Du Mitarbeiter:innen darin ausbildest. Am besten von denjenigen, die die Verantwortung abgeben. 
(2): Belasse es für diese Aufgaben vorerst beim Alten. 

Tipp Nr. 5:

Fokussiere die Entwicklung 

Peter Drucker stellte fest: „Effizienz ist, die Dinge richtig zu tun; Effektivität ist, die richtigen Dinge zu tun.“

Umgekehrt bedeutet dieser Satz, dass es möglich ist, effizient Dinge zu tun, die aber ineffektiv sind. Mit anderen Worten: viel Aufwand ohne Wert. Prüfen Sie daher immer wieder die Effektivität Ihrer Aufgaben. 

 

How-to: Fokussiere auf den Geschäftswert 

Wir verwenden häufig akribischen Aufwand darauf, Aufgaben in ihrem Aufwand zu schätzen um Forecasts zu erstellen. Was wir aber weit weniger akribisch tun ist, den Nutzen der dahinterstehenden Lösungen zu bewerten, d.h. die Effektivität zu bewerten. 

Sammle daher zahlenbasierte Fakten, die beweisen, dass Du beim Kund:innennutzen on track bist. Die Zahlen sind dabei umso aussagefähiger, je weiter sie hinter der Zahlschranke stehen. z. B. Anzahl der generierten Neukund:innen oder der erzielte Kaufpreis. Umgekehrt heißt das: Dinge, die gratis sind, geben Ihnen keine Gewissheit, ob es einen Markt gibt. 

Lass die Entwicklungsinkremente gegen diese KPIs laufen. Was sich nicht rechnet und nicht auf die Strategie auszahlt, solltest Du überdenken oder neu verhandeln. 

 

How-to: Falls Du Kanban verwendest, verwende WiP Limits ab Tag 1 

Kanban ohne „Work in Progress Limits” (WiP Limits) ist Aufgaben-Verwaltung. Bei Verwendung von WiP Limits wird es zu Aufgaben-Gestaltung.  

Der erste Schritt in Richtung agiler Arbeitsweise ist für viele bereits mit einem gemeinsamen Board gemacht. So richtig Musik in die Sache kommt aber erst, wenn allen klar wird: „die Aufgaben der Kolleg:innen sind wichtiger als meine eigenen, daher sollte ich ihnen helfen“. Ohne diese Haltung ist Kanban ein Verwaltung paralleler Backlogs. Es braucht dafür kein Team.  

 

How-to: Verwende Dimensional Planning 

Je schneller Du die Effektivität Ihrer Lösungen überprüfen kannst, umso sicherer kannst Du sein, dass Du damit in die richtige Richtung läufst. Fehlentwicklungen kostet Zeit und Geld. 

Schneide Anforderungen daher so weit herunter, dass das maximale Kund:innenbedürfnis bei minimalem Aufwand getroffen wird.  

Wenn die Lösung sein soll, von A nach B zu kommen; liefere als Lösungsinkremente zuerst den Pfad, dann die Landstraße und zuletzt die Autobahn. Dieses Vorgehen wird Dimensional Planning genannt. 

Basiere Annahmen über Feature-Wünsche nicht auf Annahmen oder Gespräche; lass den Kunden oder die Kundin die Lösungsinkremente ausprobieren. 

Richard Lawrence gibt in seinem Blog praktikable Hinweise, wie UserStories nach diesen Prinzipien geschnitten werden können.

Es kommen hier gleich mehrere Prinzipien zur Anwendung:  

  • mit dem Ende im Sinn denken: Welchen End-Kundennutzen wollen wir mit der Anforderung erreichen?
  • Pareto Prinzip: In 20% des Aufwands, 80% des Nutzens erreichen.
  • maximiere die Menge nicht-getaner Arbeit (10. Prinzip des Agilen Manifests): wie geht es noch einfacher, noch eleganter? 
  • Inspect & Adapt:  sich kleinschrittig verbessern. 

Lass hier nicht locker. Auch wenn das Team meint, es geht nicht einfacher.  

 

How-to: Verwende ein Sprintziel 

Sprintziele haben den Zweck für Fokus zu sorgen, indem sie dem Team deutlich machen, was im Zweifel das Wichtigste ist.  

Während in der Iteration das Team sehr technisch arbeitet ist es eine Hilfestellung noch den Kund:innennutzen herauszustellen. Darüber hinaus wirkt es handlungsweisend für alle jene, die vermuten, sie seien mit „ihren Aufgaben“ fertig und die sich die nächsten Aufgaben aus dem Backlog ziehen wollen, statt Teammitglieder zu fragen, ob sie auf dem Weg zum Sprintziele noch Hilfe benötigen oder Impediments außerhalb des Teams zu beseitigen.  

Häufig ist kein einfaches Sprintziel für das gesamte Team zu formulieren, weil die Aufgaben zu unterschiedlich sind. Geben Sie trotzdem ein Sprintziel vor, indem Sie sich auf den wichtigsten Nutzen beschränken. 

Tipp Nr. 6:

Leg Regeln für E-Mails fest 

Die kurze Frage per Rundmail beschäftigt Menschen. Deine E-Mails sind für andere KDMs (vgl. Tipp Nr. 3).

Jedes E-Mail-Postfach kann wie ein zusätzliches Backlog der Organisation betrachtet werden. Auch dieses Backlog will in irgendeiner Form abgearbeitet wird. Das effektivste ist hier, keine zu schreiben: 

  • Überleg Dir 2x, ob Du diese eine Mail wirklich weiterleiten musst 

Falls ja, überprüfe den Empfänger:innenkreis. Schreib, warum die Mail relevant ist und fasse sie zusammen, sodass jede:r nach Dir weniger Zeit damit verbringen muss als Du. 

  • Vermeide Emails, in dem Du die Themen sammelst und ins Daily bzw. ins gemeinsame Meeting bringst. 

Falls Du mit virtuellen Task-Boards arbeitest: 

  • Sammle Themen asynchron in einer gemeinsamen „Ecke“ des Taskboards und besprich sie synchron mit allen im Daily. Besprochenes überträgst Du für Nichtanwesende in eine Archivliste. 

Sollte es doch die Email sein, schreib (für alle) zeiteffizient aus Sicht der Empfänger:innen: 

  • Schreib möglichst nur an eine Person.  (Die anderen - falls nötig - in den CC) 
  • Vereinbare Tags für die Betreffzeile: 
    Mach es den Empfänger:innen einfach und schreib zu Beginn der Betreffzeile einen Tag, um zu kennzeichnen, wie die Email gelesen werden soll: 
    • A: Aktion; eine erwartete Handlung
    • I: Information; keine explizit erwartete Handlung
    • E: Entscheidung
    • F: Frage
    • Dis: Diskussion
  • Schreib empfänger:innen- und ergebnisorientiert (KSPF Methode) 

    Hand aufs Herz, häufig schreiben wir eine E-Mail eigentlich nur, um ein Thema aus dem Kopf zu haben. Das kann dazu führen, dass Empfänger:innen wenig mit der E-Mail anfangen können, rückfragen müssen oder im schlimmsten Fall, die E-Mail falsch verstehen. 

    Pack daher die Kernaussage in die Betreffzeile. Damit können Empfänger:innen, die To-dos bereits im E-Mail-Postfach erfassen, ohne die E-Mail öffnen zu müssen. 

    K: die Kernaussage in einem Satz (im Betreff) 
    S: die Situation in einem Satz 
    P: das Problem in einem Satz 
    F: die Frage in einem Satz 
     
    • Beispiel: 

      Betreff: Bitte vom Bahnhof abholen (K)
      --------------------------------------------------------
      Am Wochenende ist Ferienende, (S)
      und ich rechne mit längeren Staus. (P)
      Daher möchte ich lieber mit dem Zug anreisen. Kannst du mich vom Bahnhof abholen? (F)

      (Die Buchstaben in diesem Beispiel stehen hier nur zum besseren Verständnis)


       

Tipp Nr. 7:

Verbessere Deine Meeting-Kultur 

Meetings können ineffektiv und ineffizient sein. In diese Falle tappen wir immer wieder, weil wir uns zu wenig Zeit nehmen: Meetings sind unzureichend vorbereitet, haben dadurch unklare Ergebnisse und können aufgrund von Folgemeetings nicht nachbereitet werden. Ein Teufelskreis. 

 

How-to: Setze Blocker in Deinen Kalender 

Transparente Kalender sind etwas feines. Leider werden unsere freien Arbeitszeiten von Kolleg:innen gehijackt. Aus 8 Stunden Arbeitszeit wird ein fragmentierter Tag. 

Im Ergebnis haben wir zu wenig Zeit am Stück, um innovative Dinge zu tun, wie z.B. nachzudenken. Eine vergleichsweise einfache Methode ist es, sich Zeiten für die Vor- und Nachbereitung von Meetings und für Ihre innovative Tätigkeiten im Kalender zu blockieren.  

Mach es doch direkt jetzt! 

 

How to: Plane Meetings ergebnisorientiert 

  • Lade nur die richtigen Leute ein: Am ergebnisorientiertesten sind Meetings, wenn Du nur Entscheidungsträger:innen am Tisch hast.
  • Überprüfe bei Regelterminen regelmäßig den Kreis der Eingeladenen. Denk dabei insbesondere an den Wert- und Beitragsgehalt für und von den anderen.
  • Prüfe die Notwendigkeit von (zusätzlichen) Meetings: Wusstest Du, dass die Scrum-Events (Sprint Planning, Daily, Review und Retrospektiven) als Regeltermine komplett ausreichen, um erfolgreiche Teams zu managen bzw. sich selbst managen zu lassen? Diese Meetings machen nur 14% des Gesamtzeitkontos aus. Wir haben es gemessen.
  • Verkürze Meetings auf 30 Minuten: Es ist verblüffend, aber Meetings dauern immer so lange, wie sie angesetzt wurden: das 1-h-Meeting dauert selten weniger als 60 Minuten. Hier ist das Parkinson’sches Gesetz am Werk: „Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.“ 
    Experimentiere daher mit kürzeren Meeting-Slots von 30 oder 40 Minuten Länge. So bleibt Zeit für die Vor- und Nachbereitung. Unabdingbar ist dafür eine stringente Meeting-Moderation (siehe unten).
  • Schreib die Erwartung an das Meeting in den Einladungstext: Wenn es um eine Abstimmung geht, schreib genau, was abgestimmt werden soll und welchen Zweck die Abstimmung hat.
  • Führe 15 min Breakout-Sessions nach dem Daily ein:
    Vieles lässt sich Peer-to-Peer am Rande der Dailys adhoc auslagern. Meist muss nicht das ganze Team daran beteiligt sein. Wir empfehlen einen Zeitpuffer von 15 min nach den Dailys. Verweise als Moderator daher zeitintensivere Themen auf Breakout-Sessions nach dem Daily. 

 

How-to: Lass Deine Meetings von den Teilnehmenden moderieren 

Verteil in Meetings diese Aufgaben: 

  • inhaltlich führen
  • moderieren und
  • protokollieren 

Der oder die Moderierende sollte sich inhaltlich heraushalten und allparteilich alle zu Wort kommen lassen. Dies muss nicht der Scrum Master oder Product Owner sein.

Fokus-Troika 
Wenn nur 2 sprechen und 8 zuhören, dann ist das meist keine Frage fehlenden Interesses, Temperaments oder Aufmerksamkeit der übrigen 8.  

Wahrscheinlicher ist, dass die engagierten 2 gerade an den Bedürfnissen der anderen 8 vorbeireden. Das Meeting braucht Moderation. 

Eine Möglichkeit ist, 3 Kolleg:innen zu Fokus-Ermahner:innen (Fokus-Troika) zu machen, die offiziell diese Rolle übernehmen. Warum 3? Weil es als Einzelne:r sehr schwer sein kann, anderen ins Wort zu fallen und sie in ihrem Redestrom zu unterbrechen. 

TimeKeeper etablieren
Eine weitere gute Möglichkeit ist es, zumindest einen TimeKeeper zu bestimmen, der auf die Einhaltung der zuvor vereinbarten Zeiten achtet: „Wieviel Zeit wollen wir uns für dieses Thema geben? 10 min? Ok, dann los!“ 

Themenfokus halten mit dem Lean Coffee Format 
Mit dem Timekeeper sind wir schon beim Lean-Coffee Format angekommen, das in verkürzter Form darin besteht, die Themen des Meetings in einem 1. Schritt zu priorisieren (oder vorzugeben) und dann der Reihe nach mit festem Timeboxing zu besprechen. Als nützlich hat sich gezeigt, jedem Thema zunächst 10 min zu geben und nach Ablauf per Mehrheitsbeschluss optional über weitere 5 Minuten abzustimmen.  

Verwenden Sie zur Moderation Liberating Structures
Bei Meetings ab 6 Personen eignen sich „Liberating Structures”, um alle wertschätzend zu Wort kommen zu lassen. 
„Liberating Structures” ist ein Methodenkoffer, der ergebnisorientierte Formate bereithält, der leise und laute Stimmen gleichermaßen berücksichtigt und somit Ihre Meetings effektiv und effizient zugleich macht. 

 

How-to: Bereite Dich aufs Meeting vor 

Es ist fast zu banal, um es aufzuschreiben. Aber eine kurze Vorbereitung, insbesondere als Eingeladene:r (!) – denn Einladende tun es eh – kann Meetings sehr beschleunigen. 

  • Warum findet der Termin statt?
  • Auf welches größere Ziel zahlt es ein?
  • Was ist Dein Beitrag zu dem Termin? 
  • Was willst Du dort erreichen?  

 

How-to: Führe eine Meeting-Agenda ein

  • Erwartungen an das Meeting am Anfang abfragen
    Meetings können nur dann für alle effektiv sein, wenn sie die Erwartungen der Teilnehmer:innen erfüllen. Man ist erstaunt, zu welch unterschiedlichen Antworten man kommt, wenn man zu Beginn des Meetings fragt: „Was sind Eure Erwartungen an dieses Meeting?“. 
    Probier es aus!
  • Agendapunkte als Fragen formulieren
    Wenn Meetings trotz eines 1A-Einladungstexts zu keinem Ergebnis führen, sollten die Agendapunkte das nächste Mal als Fragen formuliert werden. Denn Fragen verlangen antworten. Sie moderieren sich sozusagen von selbst.
  • Wir sind hier um...“ als Flipchart oder Hintergrundbild
    Um in Meetings den Fokus in komplexeren Fragestellungen kontinuierlich herzustellen, kannst Du damit experimentieren, die Fragestellung selbst als Frage auf ein Flipchart zu schreiben oder bei Remote-Meetings als Hintergrundbild einzublenden. 

 

How-to: Erhöhe die Konzentration in Meetings 

  • Pyramidal sprechen
    Sprich empfänger- und ergebnisorientiert. Starte, wenn Du sprichst daher mit Deiner Kernaussage, die für die meisten relevant ist, indem Du die Kernaussage an den Anfang stellst.

    Beispiel für das Daily:
    Kernaussage: Ich muss mich in TomCat einarbeiten und benötige dafür einen weiteren Tag.
    Situation: Ich bearbeite gerade die Aufgabe XY
    Problem: Dabei habe ich festgestellt, dass wir noch einen TomCat konfigurieren müssen.
    Frage: Oder kann mir dabei jemand helfen? 

    Warum hilft das? Als Sender:in jedoch spreche ich häufig aus meiner eigenen Erlebniswelt heraus. Zu kleinteilig, zu technisch – und vielleicht versäume ich sogar die Überschrift zu meinen Ausführungen, sodass ich Empfänger:innen von Anfang an abhänge. 
    Checkmarke daher gedanklich: Kernaussage, Situation, Problem, Frage. 
  • Powerful Questions bei ergebnislosen Meetings
    Wenn trotz allem Meetings ergebnislos bleiben (hoffentlich bevor die Zeit abgelaufen ist) helfen als letzte Instanz Powerful Questions
    Es handelt sich dabei um offene Fragen (W-Fragen), die, nicht mit ja oder nein beantwortet werden können. 

    Powerful Questions sind z. B.
    • „Wovor haben wir Angst?“,
    • „Was wäre, wenn wir...?“
    • „Wie werden wir in 3 Monaten auf diese Situation schauen?“,
    • „Und was tun wir jetzt?“
    • „Wie könnten wir erreichen, dass das sogar Spaß macht?“,
    • “Was brauchen wir, um zu einer Entscheidung zu kommen?“,
    • „Was scheint dich zu verwirren?“,
    • „Gibt es einen Elefanten im Raum?“,
    • „Was ist unser Plan B?“ ,
    • „Warum ist das Problem eigentlich ein Problem?“,
    • „Welche Frage soll ich stellen?“,
    • „Was brauchst du in diesem Moment am meisten?

      All diesen Fragen haben gemein, dass sie eine neu Perspektive öffnen und die Empfänger:innen anders auf das Problem schauen lassen. Weg von der meist fachlichen Ebene, hin zur Gefühlsebene, zeitlichen Ebene, Beziehungsebene, Problemebene oder Lösungsebene.  

 

How-to: Meetings richtig beenden 

  • Wiederhole am Ende des Meeting die Ergebnisse 
    Achte bei Meetings darauf, dass Ergebnisse zusammengefasst werden. Meist kocht sich das zusammen auf die Formel: „Wer macht was, wofür“.
  • Zur Gewohnheit werden lassen: die 2 min Mikro-Retro 
    Warum erst auf die 14-tägige Retrospektive warten, um Lehren aus der Iteration zu ziehen?  
    Mache es zur Gewohnheit, am Ende jedes Meetings zu fragen: „Wenn wir dieses Meeting heute Nachmittag wiederholen würden: Was würden wir dann besser machen?“ 
    Es handelt sich dabei um eine sehr kurze Reflexion; keine weitere Diskussion. Dies erreichen Sie z. B. indem man um 2-Wort-Antworten bittet: (Was) + (Verb)

Zum Abschluss

Die Checker-Frage am Ende   

Wenn Du bis hierher gelesen hast, dann steht eines fest: Du willst mehr Zeit für Innovation. Zeige, dass Du es mit dem Fokus ernst meinst. Jede Veränderung startet bei uns selbst, vgl. Verantwortung übernehmen, s.o. 

Was beabsichtigst Du nun von diesen Tipps in dieser Woche umzusetzen?  

Welche weiteren und noch besseren Tipps hast Du? Schreibe uns. 

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