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Mit Fokus mehr Zeit für Innovationen schaffen
Der Druck der Konkurrenz wächst und der Entschluss steht fest. Um sich im Markt langfristig zu behaupten, soll und muss das Unternehmen innovativer werden.
Innovationsmodelle und -techniken wie Lean Startup, Design Thinking, Design Sprints etc. gibt es viele. Das Problem dabei ist nicht die einmalige Umsetzung, sondern eher, wie man als Team und als gesamtes Unternehmen stetig „am Ball“ bleiben kann.
Es fehlt oft schlicht die Zeit, weil wir mit dem operativen Geschäft mehr als genug zu tun haben.
Wie können wir uns also Zeit verschaffen, um dauerhaft an Innovation zu arbeiten und Innovation fest in die Unternehmensprozesse zu verankern?
In diesem Artikel geben wir sieben Tipps, wie Du dir durch mehr Fokus mehr Zeit für Innovation verschaffen kannst.
Meta-Tipp:
Bleib mit allen Maßnahmen – sei es die unten stehenden oder Ihre eigenen –am Ball.
Wenn Du in einer Sache jeden Tag 1% besser wirst, bist Du am Ende eines Jahres um den Faktor 38x besser. Damit dieser Zinseszins-Effekt zum Tragen kommt, lass Deine Maßnahmen nicht unreflektiert ausfaden, sondern lass sie zu Gewohnheiten werden wie das Zähneputzen.
Nimm Dir nicht alles gleichzeitig vor, sondern fokussiere Dich darauf, bessere Gewohnheiten zu entwickeln.
Ok anschnallen, es geht los ...
Tipp Nr. 1:
Eine geteilte Klarheit über eine gemeinsame Marschroute fokussiert alle sich darunter versammelnden Backlogs. Diese gewünschte Folge der Klarheit wird Alignment genannt.
Frage einmal in Deinem Unternehmen, wie die Produktvision lautet, an deren Realisierung Ihr gerade arbeitet.
Du ahnst nicht, wie verschieden die Antworten ausfallen können. Mit der gemeinsamen Marschroute ist aber keine Feature-Liste gemeint. Es ist vielmehr der dahinterliegende Zweck, mit dem man die Zielgruppe nicht nur erreicht, sondern begeistert.
Was eine Produktvision ist und wie diese formulieren kannst Du hier lesen.
Wenn man System-Theoretiker:innen fragt, so ist eine Produktvision (oder ein Nordstern, wenn es um die Prozessoptimierung geht), einer der größten Hebel, den Du tätigen kannst, um Fokus herzustellen! (vgl. „System Thinking. A primer“, D. Meadows)
Delegieren verschafft Zeit, weil es Aufgaben dezentralisiert. Um erfolgreich delegieren zu können, sorge für Klarheit, Kompetenz und übertrage Kontrolle (3K-Regel).
Wenn Du der Meinung bist, dass in Deinem Unternehmen trotz der 3Ks zu wenig Eigeninitiative besteht, ist es wichtig zu verstehen, dass Eigeninitiative durch Nachahmung inspiriert wird.
Zeige, dass Du selbst Verantwortung übernimmst und inspiriere andere, es Dir gleich zu tun. Dies bringst Du mit Deiner Sprache zum Ausdruck. Vermeide abstrakte Äußerungen wie „man sollte“ und sprich stattdessen in Absichten und Ich-Botschaften: „Ich beabsichtige, ... zu tun.“ (vgl. „Reiß das Ruder rum!“, D. Marquet)
Tipp Nr.2:
Es erscheint fast zu banal, aber mehr Fokus für wichtige Projekte erreichen wir am effektivsten durch Neinsagen. Steve Jobs stellte bereits fest: „Focusing is about saying ‘no’!“
Damit wir für innovative Projekte, unser volles Commitment zeigen können, müssen wir zu anderen „Nein“ sagen können. Egal wie verlockend vielleicht beides gerade wäre. Innovation wird sonst im Tagesgeschäft untergehen.
Nein heißt dabei nicht pauschal „niemals”. Es kann sich um ein „nein, nicht jetzt” oder „nein, erst wenn” handeln.
Werde Dir darüber klar, was Du genau mit dem Nein erreichen möchtest und formuliere es dann genau so: „Nein, wir können das jetzt nicht tun, aber sobald Situation X eintritt, werden wir das neu priorisieren.“
Neinsagen fällt deutlich leichter, wenn man auf gemeinsame Vereinbarungen verweisen kann. Formuliere daher Regeln, die klar machen, wann eine Aufgabe angenommen und abgelehnt werden darf. Hierzu kannst Du mit Kriterienkatalogen arbeiten:
Caveat: DoR und DoD sollten diskutabel bleiben. Eine kleine DoR kann auch Ausdruck von Teamreife sein im Sinne der Selbstorganisation.
Wenn es um die Schätzung von Aufwand geht, werden in der Regel „Wissensträger:innen” einzeln befragt. Denn warum sollte man das gesamte Team mit etwas behelligen, was eine Person erledigen kann? Das Problem ist aber, dass Aufgaben dann zu leichtfertig angenommen oder zu optimistisch geschätzt werden. Einfacher fällt es, wenn das gesamte Team gemeinsam schätzt.
Eine Möglichkeit dafür ist „Planning Poker”. Mithilfe einer Punkteskala werden die Anforderungen durch eine Gruppe geschätzt. Durch das Gespräch entsteht ein gemeinsamer Blick auf die Anforderung und führt oft zu leichtgewichtigeren Lösungen mit weniger Aufwand.
A „no“ uttered from deepest conviction is better and greater than a „yes“ merely uttered to please, or what is worse, to avoid trouble.
Mahatma Gandhi
Tipp Nr. 3:
Kennst Du das? Du hast den Eindruck, auf der Stelle zu treten. Das Backlog wird einfach nicht kleiner und die Taskboard-Zettel an der Wand folgen den Jahreszeiten, bis sie unbearbeitet von selbst von der Wand fallen.
Dies passiert, wenn der größte Anteil unserer Arbeit und Aufmerksamkeit nicht allein das Backlog speist. E-Mails, „Kannst Du mal”-Aufgaben (KDMs) und weitere Tools wie Slack, MS-Teams, Confluence, Jira etc. lenken uns ab und fungieren sozusagen als parallele Backlogs.
Jede:r einzelne priorisierte zwar lokal die wichtigsten Aufgaben, aber diese sind auf globaler Ebene nicht notwendigerweise die wichtigsten.
Halte nach diesen individuell priorisierten Backlogs Ausschau, mach sie transparent, triff Team-Vereinbarungen, teile Deine Kalender und individuellen Backlogs, priorisiere die Aufgaben gemeinsam und kanalisiere die aufwendigen Aufgaben in möglichst nur einem einzigen Backlog. Deine Vision sollte sein: „Es darf nur eines geben”.
Du hast erfolgreiche Vertriebler:innen, die den Kund:innen Services verkaufen, die das Team aber nicht liefern kann – oder nur verspätet liefert? Glückwunsch, Dein Markt funktioniert, denn die Nachfrage ist größer als Du Lösungen anbieten kannst.
Das Problem dabei ist leider: Der Vertrieb fühlt sich hingehalten, und das Entwicklerteam vor den Karren gespannt.
Lass den Vertrieb die Leads nach Geschäftswert bewerten und gegeneinander priorisieren. Eignen tut sich hierzu das Format „Buy a feature“:
Dieses Vorgehen priorisiert, fokussiert und beschert Ihnen bessere Auslieferungsprognosen.
Wenn Mitarbeiter:innen in verschiedenen Teams und Abteilungen gleichzeitig arbeiten, ist die Gefahr groß, dass sie zu wenig Zeit am Stück haben; mit dem Effekt, dass vieles angefangen ist, aber nichts fertig wird.
Die eindeutige Empfehlung lautet hier, diese Mitarbeiter:innen nicht prozentweise zu „verleihen”, sondern nur ganze Tage abzumachen.
Tipp Nr. 4:
KDM steht für „Kannst du mal“-Aufgaben, also kleinere oder größere Gefälligkeiten, die sich angeblich mit einer Mail oder einem Anruf erledigen lassen. Gefälligkeiten werden aber leider dann zum Problem, wenn es zu viele werden oder sie sich als weit aufwendiger entpuppen als angenommen.
Wer rausgerissen wird, braucht auch wieder Zeit, um reinzukommen. Das vergessen die „Störenfriede“ leider oft - Stichwort „Rüstzeiten“.
Wir wissen ja auch nicht, wie häufig die/der Kollege:in außer von uns noch durch andere bereits „gestört“ wurde. Hier daher 2 Tipps zu KDMs.
Lass die Teammitglieder eine Strichliste führen, wie häufig KDMs stattfinden. Triff Vereinbarungen: Unter 5 KDMs/Tag sind ok, ab 8 KDMs/Tag sollten sie über Maßnahmen sprechen.
KDMs treten immer dann auf, wenn jemand eine Aufgabe selbst entweder nicht übernehmen kann oder darf. Daher kann eine weiterführende Lösung sein, Zuständigkeiten auszuweiten. Und zwar mit allem was dazu gehört: Berechtigungen erteilen und Verantwortung übergeben.
Die Übertragung von Verantwortung ist Ausdruck von Vertrauen. Erhöhtes Vertrauen führt zu weniger Abhängigkeiten und weniger Übergabe, Rüst- und Wartezeiten. Also gehen die Kosten runter und die Durchlaufzeiten werden kürzer. (vgl. „The Speed of Trust“, S. M. Covey)
Eine einfache Formel hilft, zu entscheiden, ob bzw. ab wann mehr Verantwortung übertragen werden sollten:
(1): Übertrage Kontrolle und Verantwortung, indem Du Mitarbeiter:innen darin ausbildest. Am besten von denjenigen, die die Verantwortung abgeben.
(2): Belasse es für diese Aufgaben vorerst beim Alten.
Tipp Nr. 5:
Peter Drucker stellte fest: „Effizienz ist, die Dinge richtig zu tun; Effektivität ist, die richtigen Dinge zu tun.“
Umgekehrt bedeutet dieser Satz, dass es möglich ist, effizient Dinge zu tun, die aber ineffektiv sind. Mit anderen Worten: viel Aufwand ohne Wert. Prüfen Sie daher immer wieder die Effektivität Ihrer Aufgaben.
Wir verwenden häufig akribischen Aufwand darauf, Aufgaben in ihrem Aufwand zu schätzen um Forecasts zu erstellen. Was wir aber weit weniger akribisch tun ist, den Nutzen der dahinterstehenden Lösungen zu bewerten, d.h. die Effektivität zu bewerten.
Sammle daher zahlenbasierte Fakten, die beweisen, dass Du beim Kund:innennutzen on track bist. Die Zahlen sind dabei umso aussagefähiger, je weiter sie hinter der Zahlschranke stehen. z. B. Anzahl der generierten Neukund:innen oder der erzielte Kaufpreis. Umgekehrt heißt das: Dinge, die gratis sind, geben Ihnen keine Gewissheit, ob es einen Markt gibt.
Lass die Entwicklungsinkremente gegen diese KPIs laufen. Was sich nicht rechnet und nicht auf die Strategie auszahlt, solltest Du überdenken oder neu verhandeln.
Kanban ohne „Work in Progress Limits” (WiP Limits) ist Aufgaben-Verwaltung. Bei Verwendung von WiP Limits wird es zu Aufgaben-Gestaltung.
Der erste Schritt in Richtung agiler Arbeitsweise ist für viele bereits mit einem gemeinsamen Board gemacht. So richtig Musik in die Sache kommt aber erst, wenn allen klar wird: „die Aufgaben der Kolleg:innen sind wichtiger als meine eigenen, daher sollte ich ihnen helfen“. Ohne diese Haltung ist Kanban ein Verwaltung paralleler Backlogs. Es braucht dafür kein Team.
Je schneller Du die Effektivität Ihrer Lösungen überprüfen kannst, umso sicherer kannst Du sein, dass Du damit in die richtige Richtung läufst. Fehlentwicklungen kostet Zeit und Geld.
Schneide Anforderungen daher so weit herunter, dass das maximale Kund:innenbedürfnis bei minimalem Aufwand getroffen wird.
Wenn die Lösung sein soll, von A nach B zu kommen; liefere als Lösungsinkremente zuerst den Pfad, dann die Landstraße und zuletzt die Autobahn. Dieses Vorgehen wird Dimensional Planning genannt.
Basiere Annahmen über Feature-Wünsche nicht auf Annahmen oder Gespräche; lass den Kunden oder die Kundin die Lösungsinkremente ausprobieren.
Richard Lawrence gibt in seinem Blog praktikable Hinweise, wie UserStories nach diesen Prinzipien geschnitten werden können.
Es kommen hier gleich mehrere Prinzipien zur Anwendung:
Lass hier nicht locker. Auch wenn das Team meint, es geht nicht einfacher.
Sprintziele haben den Zweck für Fokus zu sorgen, indem sie dem Team deutlich machen, was im Zweifel das Wichtigste ist.
Während in der Iteration das Team sehr technisch arbeitet ist es eine Hilfestellung noch den Kund:innennutzen herauszustellen. Darüber hinaus wirkt es handlungsweisend für alle jene, die vermuten, sie seien mit „ihren Aufgaben“ fertig und die sich die nächsten Aufgaben aus dem Backlog ziehen wollen, statt Teammitglieder zu fragen, ob sie auf dem Weg zum Sprintziele noch Hilfe benötigen oder Impediments außerhalb des Teams zu beseitigen.
Häufig ist kein einfaches Sprintziel für das gesamte Team zu formulieren, weil die Aufgaben zu unterschiedlich sind. Geben Sie trotzdem ein Sprintziel vor, indem Sie sich auf den wichtigsten Nutzen beschränken.
Tipp Nr. 6:
Die kurze Frage per Rundmail beschäftigt Menschen. Deine E-Mails sind für andere KDMs (vgl. Tipp Nr. 3).
Jedes E-Mail-Postfach kann wie ein zusätzliches Backlog der Organisation betrachtet werden. Auch dieses Backlog will in irgendeiner Form abgearbeitet wird. Das effektivste ist hier, keine zu schreiben:
Falls ja, überprüfe den Empfänger:innenkreis. Schreib, warum die Mail relevant ist und fasse sie zusammen, sodass jede:r nach Dir weniger Zeit damit verbringen muss als Du.
Falls Du mit virtuellen Task-Boards arbeitest:
Sollte es doch die Email sein, schreib (für alle) zeiteffizient aus Sicht der Empfänger:innen:
Tipp Nr. 7:
Meetings können ineffektiv und ineffizient sein. In diese Falle tappen wir immer wieder, weil wir uns zu wenig Zeit nehmen: Meetings sind unzureichend vorbereitet, haben dadurch unklare Ergebnisse und können aufgrund von Folgemeetings nicht nachbereitet werden. Ein Teufelskreis.
Transparente Kalender sind etwas feines. Leider werden unsere freien Arbeitszeiten von Kolleg:innen gehijackt. Aus 8 Stunden Arbeitszeit wird ein fragmentierter Tag.
Im Ergebnis haben wir zu wenig Zeit am Stück, um innovative Dinge zu tun, wie z.B. nachzudenken. Eine vergleichsweise einfache Methode ist es, sich Zeiten für die Vor- und Nachbereitung von Meetings und für Ihre innovative Tätigkeiten im Kalender zu blockieren.
Mach es doch direkt jetzt!
Verteil in Meetings diese Aufgaben:
Der oder die Moderierende sollte sich inhaltlich heraushalten und allparteilich alle zu Wort kommen lassen. Dies muss nicht der Scrum Master oder Product Owner sein.
Fokus-Troika
Wenn nur 2 sprechen und 8 zuhören, dann ist das meist keine Frage fehlenden Interesses, Temperaments oder Aufmerksamkeit der übrigen 8.
Wahrscheinlicher ist, dass die engagierten 2 gerade an den Bedürfnissen der anderen 8 vorbeireden. Das Meeting braucht Moderation.
Eine Möglichkeit ist, 3 Kolleg:innen zu Fokus-Ermahner:innen (Fokus-Troika) zu machen, die offiziell diese Rolle übernehmen. Warum 3? Weil es als Einzelne:r sehr schwer sein kann, anderen ins Wort zu fallen und sie in ihrem Redestrom zu unterbrechen.
TimeKeeper etablieren
Eine weitere gute Möglichkeit ist es, zumindest einen TimeKeeper zu bestimmen, der auf die Einhaltung der zuvor vereinbarten Zeiten achtet: „Wieviel Zeit wollen wir uns für dieses Thema geben? 10 min? Ok, dann los!“
Themenfokus halten mit dem Lean Coffee Format
Mit dem Timekeeper sind wir schon beim Lean-Coffee Format angekommen, das in verkürzter Form darin besteht, die Themen des Meetings in einem 1. Schritt zu priorisieren (oder vorzugeben) und dann der Reihe nach mit festem Timeboxing zu besprechen. Als nützlich hat sich gezeigt, jedem Thema zunächst 10 min zu geben und nach Ablauf per Mehrheitsbeschluss optional über weitere 5 Minuten abzustimmen.
Verwenden Sie zur Moderation Liberating Structures
Bei Meetings ab 6 Personen eignen sich „Liberating Structures”, um alle wertschätzend zu Wort kommen zu lassen.
„Liberating Structures” ist ein Methodenkoffer, der ergebnisorientierte Formate bereithält, der leise und laute Stimmen gleichermaßen berücksichtigt und somit Ihre Meetings effektiv und effizient zugleich macht.
Es ist fast zu banal, um es aufzuschreiben. Aber eine kurze Vorbereitung, insbesondere als Eingeladene:r (!) – denn Einladende tun es eh – kann Meetings sehr beschleunigen.
Zum Abschluss
Wenn Du bis hierher gelesen hast, dann steht eines fest: Du willst mehr Zeit für Innovation. Zeige, dass Du es mit dem Fokus ernst meinst. Jede Veränderung startet bei uns selbst, vgl. Verantwortung übernehmen, s.o.
Was beabsichtigst Du nun von diesen Tipps in dieser Woche umzusetzen?
Welche weiteren und noch besseren Tipps hast Du? Schreibe uns.
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